Gedichte Hoffnung


Gedichte - Hoffnung

Sammlung an Gedichten mit Bezug zur Hoffnung für Leserunden und Gedächtniseinheiten.

 

Hoffnung

Schaff das Tagwerk meiner Hände,
Hohes Glück, daß ich's vollende!
Laß, o laß mich nicht ermatten!
Nein, es sind nicht leere Träume:
Jetzt nur Stangen, diese Bäume
Geben einst noch Frucht und Schatten.

Johann Wolfgang von Goethe

 

 

 

 

O Jüngling, sei weise, verwein' nicht vergebens
Die fröhlichsten Stunden des traurigen Lebens,
Wenn flatterhaft je dich ein Mädchen vergißt.
Geh, ruf sie zurücke, die vorigen Zeiten!
Es küßt sich so süße der Busen der zweiten,
Als kaum sich der Busen der ersten geküßt.

Johann Wolfgang von Goethe

 

 

 

 

Ihn muß ich beklagen,
der die Hoffnung senkt;
ach, wie konnt er verzagen,
wo des Herren Wille lenkt!
All sein Trost in Schmerz und Leiden,
all sein Ruhm in Spott und Schmach
mußten von ihm scheiden,
da die Hoffnung brach.

Annette von Droste-Hülshoff

 

 

 

Es reden und träumen die Menschen viel
Von bessern künftigen Tagen,
Nach einem glücklichen goldenen Ziel
Sieht man sie rennen und jagen.
Die Welt wird alt und wird wieder jung,
Doch der Mensch hofft immer Verbesserung.

Johann Christoph Friedrich von Schiller

 

 

 

 

Durch mich gelangt man in die Stadt der Schmerzen,
Durch mich zu wandellosen Bitternissen,
Durch mich erreicht man die verlorenen Herzen.

Gerechtigkeit hat mich dem Nichts entrissen;
Mich schuf die Kraft, die sich durch alles breitet,
Die erste Liebe und das höchste Wissen.

Vor mir ward nichts Geschaffenes bereitet,
Nur ew'ges Sein, so wie ich ewig bin:
Laßt jede Hoffnung, die ihr mich durchschreitet

Dante Alighieri

 

 

 

Allmächtiger Gott!

Mache mich
schlicht ohne Überheblichkeit,
ernst ohne Trauer,
wahrhaft ohne Täuschung,
mutig ohne Furcht,
rührig ohne Leichtsinn.
Laß meinen Weg gerade und sicher zum Ziel kommen.
Laß mich immer auf dich hoffen.

Thomas von Aquin

 

 

Wenn die Hoffnung nicht wär,
so lebt ich nicht mehr,
denn die Hoffnung allein
kann lindern die Pein.
Und wie ging es denn hin,
und wie ging es denn her,
wenn die Hoffnung nicht wär!

Wenn Sturm und auch Wind
den Schiffsmann greift an,
und so denkt er dabei,
daß die Hoffnung noch sei.
Und wie ging es denn hin,
und wie ging es denn her,
wenn die Hoffnung nicht wär!

Volksweise

 

 

Hoffnung hintergehet zwar,
Aber nur was wankelmüthig;
Hoffnung zeigt sich immerdar
Treugesinnten Herzen gütig!
Hoffnung senket ihren Grund
In das Herz, nicht in den Mund.

Gottfried Keller

 

 

 

 

 

Ich wünsche Dir Hoffnung,

daß alles gut wird:
Jede Wolke zieht mal weiter
und die Sonne spitzt heraus.
Nichts hängt nur nach einer Seite,
auch das Ärgste ist mal aus.
Ist die Nacht auch noch so finster,
irgendwann wird's wieder Licht,
und kein Winter ist so eisig,
daß ihn nicht der Frühling bricht.

Unbekannt

 

 

 

 

 

Hoffnung

Hoffnung schlummert tief im Herzen
Wie im Lilienkelch der Tau
Hoffnung taucht, wie aus den Wolken
Nach dem Sturm des Himmelsblau;
Hoffnung keimt, ein schwaches Hälmchen,
Auch aus nackter Felsenwand;
Hoffnung leuchtet unter Thränen,
Wie im Wasser der Demant

Schon so tausendfach betrogen,
Armes, schwaches Menschenherz,
Immer wendest du dich wieder
Gläubig trauernd himmelwärts.
Wie Arachne unverdrossen,
Täglich neue Netze spannt,
Kreuze auch durch ihre Fäden,
Täglich rauh des Schicksals Hand.

Franz Freiher von Gaudy

 

 

 

Wenn die Hoffnung, irren Fußes,
Manchem auch nicht ihres Grußes,
Freundlichkeit des Aug' erquicket;
Andre hat zu wilder Lust
Sie entbrannt und schon gezücket
Hält das Schicksal auf die Brust
Dann den Dolch, den sich die Toren
Rasend in den Busen bohren.

Sophokles

 

 

 

Hoffnung

Es reden und träumen die Menschen viel
Von bessern künftigen Tagen,
Nach einem glücklichen, goldenen Ziel
Sieht man sie rennen und jagen.
Die Welt wird alt und wird wieder jung,
Doch der Mensch hofft immer Verbesserung!

Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein,
Sie umflattert den fröhlichen Knaben,
Den Jüngling locket ihr Zauberschein,
Sie wird mit dem Greis nicht begraben,
Denn beschließt er im Grabe den müden Lauf,
Noch am Grabe pflanzt er – die Hoffnung auf.

Es ist kein leerer schmeichelnder Wahn,
Erzeugt im Gehirne des Toren.
Im Herzen kündet es laut sich an,
Zu was Besserm sind wir geboren!
Und was die innere Stimme spricht,
Das täuscht die hoffende Seele nicht.

Johann Christoph Friedrich von Schiller

 

 

 

 

Laß nur jene in dein Labyrinth,
die Hoffnung in den Händen tragen
und Zärtlichkeit in ihren Augen,
die Tage nicht nach Stunden messen
und ihr Herz öffnen dem Zauber
hinter den Erscheinungen -
und dabei ganz vergessen,
den Ausgang zu suchen.

Altirischer Segenswunsch

 

 

 

 

 

Hoffnung, schönste Blüte,
Du lichter Himmelsschein,
Wie duftest du, wie strahlest du
Ins Menschenherz hinein!

Wie bist du ihm ein tröstend,
Ein heilig Himmelspfand!
Wie schmückest, wie vergoldest
Du ihm der Zukunft Land! –

Johann Dietrich Lüttringhaus

 

 

Es fliegen unsere Hoffnungen, die schönen Vögel, hoch –
Jedoch
Wenn sie am höchsten fliegen,
In reinster Himmelsluft sich wiegen,
Wo selbst der Adler Flug bereits ein träger,
Da kommt die Wirklichkeit, der finstre Jäger,
Und schießt sie herab!

Sándor Petöfi

 

 

 

So oft die Sonne aufersteht,
Erneuert sich mein Hoffen,
Und bleibet, bis sie untergeht,
Wie eine Blume offen;
Dann schlummert es ermattet
Im dunklen Schlummer ein,
Doch eilig wacht es wieder auf
Mit ihrem ersten Schein.

Das ist die Kraft, die nimmer stirbt
Und immer wieder streitet,
Das gute Blut, das nie verdirbt,
Geheimnisvoll verbreitet!
Solang noch Morgenwinde
Voran der Sonne wehn,
Wird nie der Freiheit Fechterschar
In Nacht und Schlaf vergehn.

Gottfried Keller

 

 

Trost

Erlosch einer Hoffnung Schimmer,
Laß nur der Zeit ihren Lauf;
Begrabene Hoffnung steht immer
Als Weisheit wieder auf.
Die führt dich auf schwerem Wege
treulich ein gutes Stück,
Jenseits vom Trauerstege
Wartet ein neues Glück.

Paul Keller

 

 

 

 

Die Hoffnung spricht dem matten Kranken
Das süße Wort »Genesung« zu.
Sie zeigt, wenn seine Kräfte wanken,
Dem Wanderer das Ziel der Ruh.
Der Redlichste, der unverschuldet
Verkannt ist, wird von ihr erfreut;
Der Arme, der im Stillen duldet,
Harrt, stark durch sie, der bessern Zeit.

Franz Freiher von Gaudy

 

 

 

Kommt's manchmal anders, als du denkst,
Du darfst doch nicht die Hoffnung lassen;
Mit jedem neuen Morgenroth
Gilt es, von Neuem Muth zu fassen.

Es muß ja auch der kräftige Baum
Wohl manches Dutzend Blüthen wagen,
Eh' ihm das karge Loos vergönnt,
Nur eine reife Frucht zu tragen.

Verfasser unbekannt

 

 

 

Ans Ziel

Gestern ein Rieseln in weichen Eise.
Heute ein Bach auf der Frühlingsreise.
Gestern ein Kind mit Schleif und Band,
heute Jungfrau im Festgewand.
Wohin? Wer weiß?
Und wem der Preis?
Frage die Biene, wohin sie fliegt.
Frage die Hoffnung wo Eden liegt.

Johann Georg Fischer

 

 

Hoffnung

So ist, was kühn das Herz gewollt, zerschellt,
Der Hoffnung Grün umhüllt mit Trauerflören,
Es glimmen unter jener Trümmerwelt
Nur Wünsche noch, die nicht der Welt gehören,
Nicht jener Macht, die grausam sich gefällt
In ewigem Vernichten und Zerstören.
Ruh aus, empörtes Herz, in dem Gedanken,
Daß Hoffnungszweige sich ins Jenseits ranken

Eugenie Marlitt

 

 

Letzte Hoffnung

Am Kirchhof steht ein Baum alleine
In seiner jungen Herrlichkeit.
Ihn pflanzt kein hergebrachtes Leid, –
Sanft neigt er sich dem schlichten Steine.
Im Sommer wie im Winter singt
Ein Vöglein auf dem Baum, wie klingt
So zart der Schmerz der treuen Töne.
Der Vogel und der Baum sind wir,
Du das Gedenken, ich die Ferne.
Der einst'gen Tage, mild wie Sterne –
Ach lebt ich noch zu Füssen dir!
Ach leben, leben! Meine Schöne,
Das kalte Nichts besiegte mich,
Doch leb ich dir im Herzen? Sprich!

Paul Verlaine

 

 


Betrat'st du je ein Haus
Mit hoffendem Verlangen
Und bist von dannen drauf
Gesenkten Blicks gegangen,
Um eine Hoffnung ärmer?

Wie anders schien die Welt
Auf deinem ersten Gange,
Als da du kehrst zurück
Mit sorgenbleicher Wange,
Um eine Hoffnung ärmer!

Wie bohren sich ins Hirn
Die heißen Sonnenstrahlen!
Wie bebt das kranke Herz
In wilden Fieberqualen,
Um eine Hoffnung ärmer!

Zerreißend dringt ins Ohr
Der Straßen Lärmgewühle –
Ach, daß du könntest ruh'n,
Das Haupt auf weichem Pfühle –
Um eine Hoffnung ärmer!

Ach, daß das schwere Herz
Der Tränen sich entlüde!
Geduld! Noch kurzen Weg! –
Wie wandelst du so müde,
Um eine Hoffnung ärmer!

Da endlich winkt das Heim ...
Wohin sollst du dich wenden?
Aus allen Winkeln raunt's
Und von den düstern Wänden:
»Um eine Hoffnung ärmer!«

Otto Ernst

 

 

Mignon

Buntbeblümte Wiesen dehnen
Fernhin sich, die Luft weht lind;
Auf umsonnten Wolkenkähnen
Kam der Lenz ins Land geschwind . . .
Buntbeblümte Wiesen dehnen
Fernhin sich, die Luft weht lind.

Laß mein Haupt an deines lehnen,
Rühr die Harfe, holdes Kind!
Lieblich wie Gesang von Schwänen
Klagt ihr Ton im Abendwind . . .
Laß mein Haupt an deines lehnen
Rühr die Harfe, holdes Kind!

Zages Hoffen, süßes Wähnen
Schwellt die Seele mir gelind;
Banges, langverhaltnes Sehnen
Löst sich; Quellen rieseln lind . . .
Ach, ich weiß nicht, ob es Tränen,
Oder ob es Lieder sind.

Heinrich Leuthold

 

 

 

Was bewegt dich, stiller Himmel?
Was beschwingt die schweren Wolken?
Herz, wie kommt die helle Höhe
übers tiefgraue Meer?

Durch die Wolken schwebt ein Vogel,
schwebt vorbei mit hellen Flügeln,
trägt die goldne Morgenröte
übers tiefgraue Meer.

Komm zurück, du goldner Vogel!
Nimm mich hoch in deine Höhe!
Trag mein Herz, du helle Hoffnung,
übers tiefgraue Meer!

Richard Fedor Leopold Dehmel

 

 

Aufgegeben

Stets öder wird's auf meinem Pfade,
Am Herzen nagt mir dumpfe Pein.
O Hoffnung, du Scheherezade!
Wieg' mich mit deinen Märchen ein!

Die Nacht, der ich entgegenschreite,
Verhülle mir mit ros'gem Flor,
Und gib mir tröstend zum Geleite
Holdsel'ger Zukunftsträume Chor.

Wird ihnen die Erfüllung nimmer
In diesem schwanken Erdenhaus,
So breite deinen milden Schimmer
Weit über's dunkle Grab hinaus.

O nahe mir wie Frühlingsrauschen,
Vor dem des Eises Rinde springt,
Und laß mich deinen Märchen lauschen,
Bis froh mein Herz davon erklingt!

Die Hoffnung drauf: »Ein Märchen nennst
Du selbst, was ich zu künden weiß,
Und sagst damit, daß du erkennst,
Wie fern und fremd du meinem Kreis.

Zu tief ist deiner Stirn das Zeichen
Ruchlosen Zweifels eingebrannt!
Nie wieder wird er von dir weichen,
Du bist und bleibst an ihn gebannt.

Und so ist mir die Macht benommen,
Dir vorzuspiegeln holden Wahn.
Mein Zuspruch könnte dir nicht frommen,
Denn, ach! Du glaubtest nicht daran!«


sollt' es auch das Fell euch kosten!

Betty Paoli

 

 

Der Genesene an die Hoffnung

Tödlich graute mir der Morgen:
Doch schon lag mein Haupt, wie süß!
Hoffnung, dir im Schoß verborgen,
Bis der Sieg gewonnen hieß,
Opfer bracht' ich allen Göttern,
Doch vergessen warest du;
Seitwärts von den ew'gen Rettern
Sahest du dem Feste zu.

O, vergib, du Vielgetreue!
Tritt aus deinem Dämmerlicht,
Daß ich dir in's ewig neue,
Mondenhelle Angesicht
Einmal schaue, recht von Herzen,
Wie ein Kind und sonder Harm;
Ach, nur einmal ohne Schmerzen
Schließe mich in deinen Arm!

Eduard Mörike

 

 

 

 

In Hoffnung streut des Pflügers Hand
Den Samen in das Gottesland.
In Hoffnung steigt trotz Sturm und Riff
Der Kaufmann in sein schwankes Schiff.
In Hoffnung zieht zu Kampf und Strauß
Der König auf die Walstatt aus.
In Hoffnung trägt des Jünglings Herz
Der Sehnsucht namenlosen Schmerz.
In Hoffnung senkt ins dunkle Grab
Das Weib den Gatten und den Vater hinab.
Und Hoffnung ließ auf dieser Erden
Noch keinen nimmer zu Schanden werden.
Drum, armes Herze, verzage du nimmer:
Was auch geschieht, so hoffe du immer!

Dr. Gustav Legerlotz

 

 

 

Hoffnung auf Hoffnung geht zu Scheiter,
Aber das Herz hofft immer weiter:
Wie sich Wog' über Woge bricht,
Aber das Meer erschöpft sich nicht.

Daß sich die Wogen senken und heben,
Das ist eben des Meeres Leben,
Und daß es hoffet von Tag zu Tag',
Das ist des Herzens Wellenschlag.

Friedrich Rückert

 

 

Der Pilot

Glaube stehet still erhoben
Überm mächt'gen Wellenklan,
Lieset in den Sternen droben
Fromm des Schiffleins sichern Gang.

Liebe schwellet sanft die Segel,
Dämmernd zwischen Tag und Nacht
Schweifen Paradieses Vögel,
Ob der Morgen bald erwacht?

Morgen will sich kühn entzünden,
Nun wird's mir auf einmal kund;
Hoffnung wird die Heimat finden
Und den stillen Ankergrund.

Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff

 

 

Und so zerbröckelt sich Monat um Monat
und Jahr um Jahr
in sonnenlosem Sich-müde-Hoffen…
und nirgends auch nur ein Schimmer von Schein,
daß es irgend einmal würde anders sein!

Man gibt das Beste, das man kann,
man gibt sein glühendstes Herzblut dran,
mit Leben bezahltes Leben…
und hat man etwas fertig gebracht…
dann ist der ganze Dank dafür,
daß ein paar Freunde freundlich sagen:
Freut mich, das hast du gut gemacht!

Und damit ist die Sache dann erledigt!

Cäsar Otto Hugo Flaischlen

 

 


Es blüht auf öder Haide
Ein winzig Blümelein;
Es blickt aus tiefstem Leide
Ein stiller Hoffnungsschein. –

Es dörrt ein Blatt die Sonne
Am blühenden Rosenstrauch;
Es zieht durch die höchste Wonne
Ein leiser Wehmuthshauch.

Albert Roderich
 

 

 

Kriecht die Hoffnung aus dem Loche

Kriecht die Hoffnung aus dem Loche
meiner Glücksverlassenheit?
Putzt sich eine Glanzepoche
aus der Trübnis dieser Zeit?
Irgendwo vernahm ich Laute
wie von schüchternem Applaus,
und ich sah ein Licht, das schaute
wie verlegene Liebe aus.
Blitzt' es nicht auch in der Ferne
wie von schimmerndem Metall? –
Zweifellos: es drängen Sterne
durchs Gewölk sich überall …
Andrerseits ist zu erwägen:
Hoffnung hat ein großes Maul,
und des Dichters armem Brägen
deucht ein Huf oft schon ein Gaul.

Erich Mühsam

 

 

Zu Gott, den er im Staub verehrte, sprach
Einst ein Kalif in seiner letzten Stunde
Als einziges Gebet die frommen Worte:
"Ich bringe Dir, allein'ger höchster Herrscher,
Dir, einzig unbeschränktes Wesen, Alles,
Was du entbehrst in Deiner Herrlichkeit
Und nur uns Erdenwürmern wolltest gönnen:
Schuld, Reue, Elend und Unwissenheit."
– Doch hätt' er noch die Hoffnung nennen können.

Voltaire

 

 

 

Was fragst du den Mann

Was fragst du den Mann
Nach Heimat und Haus?
Er hat sie nicht –
Du horchest nach Vater
Und Mutter ihn aus,
Er kennt sie nicht.

Was fragst du den Mann
Nach Kind und Weib?
Er klagt doch nicht,
Daß sie ihn verließ
Mit Seele und Leib
Um einen Wicht …

Was fragst du den Mann
Nach seinem Gott?
Er suchte Licht! –
Warum blieb es dunkel
In Elend und Spott?
Er weiß es nicht.

Ada Christen

 

 

 

Hoffnung

O Hoffnung, Hoffnung! durch das ganze Leben
Gibst du dem Menschen freundlich das Geleite,
Ermutigst ihn im harten Schicksalsstreite,
Daß er nicht Raum mög' der Verzweiflung geben.

Ob Gram und Leid auch seinen Blick umweben
Und sich das Unheil hält an seiner Seite,
Doch sucht sein Blick aufs neue stets das Weite,
Und neu durch dich wird wiederum sein Streben.

Du hüllest lieblich ihm die Zukunft ein,
Erleichterst ihm der Gegenwart Beschwerden
Und milderst seines Herzens schlimmste Pein.

Drum wird verkündet immerfort auf Erden,
Wagst du gleich oft der Täuschung Mutter sein:
"Hoffnung läßt nimmermehr zuschanden werden."

Karl Franz Egon Frohme

 

 

Zerstoben sind die Wolkenmassen

Zerstoben sind die Wolkenmassen,
Die Morgensonn' ins Fenster scheint:
Nun kann ich wieder mal nicht fassen,
Daß ich die Nacht hindurch geweint.

Dahin ist alles, was mich drueckte,
Das Aug ist klar, der Sinn ist frei,
Und was nur je mein Herz entzückte,
Tanzt wieder, lachend, mir vorbei.

Es grüßt, es nickt; ich steh' betroffen,
Geblendet schier von all dem Licht :
Das alte, liebe, böse Hoffen –
Die Seele läßt es einmal nicht.

Theodor Fontane

 

 

 

 

Das Liebespfand

Schick mir ein Zeichen, daß mein Hoffen sprieße,
Mein rastlos Grübeln endlich schläft und ruht!
Schick etwas Honig, der mein Haus versüße,
Daß ich das Beste hoff in Liebesglut.

Ich will nicht ein von dir geflochtnes Band,
Die Lieb zu knüpfen in den Zauberbund
Erneuter Jugend; keinen Ring – den Stand
Der Neigung zeigend – die gleich glatt und rund:

So sollten unsre Lieben schlicht sich finden!
Korallen nicht, die deinen Arm umschränken,
Die sich in schöner Harmonie verbinden –
Das heißt: im gleichen Grund ruh unser Denken!

Auch nicht dein Bild, aufs lieblichste zu sehen
Und sehr erwünscht, da es dir gleich geblieben,
Nicht kluge Zeilen, die schon häufig stehen
In all den Briefen, die du mir geschrieben !

Mich zu bereichern, schick mir nichts mehr her –
Nur schwör: du glaubst, ich liebe dich ! Nichts mehr !

John Donne

 

 

 

Die Hoffnung

 

Ich zog mir Hoffnung, eine schöne Blume,
Und hegte sie gleich einem Heiligthume,
Versäumte nichts zu köstlichem Gedeihn
Durch Licht und Luft und milden Sonnenschein.

Sie wuchs empor in freudig grüner Fülle,
Und Blatt um Blatt entrollend aus der Hülle,
Trieb schwellend sie hervor in stolzer Kraft
Aus ihrem Kern den schlanken Blüthenschaft.

Und leise schwillt's in knospendem Verkünden,
Von Tag zu Tag sich lieblicher zu ründen,
Schön röthet sich der Knospen zartes Grün,
In Freuden stand mein Herz: Bald soll sie blühn!

Da kam zur Nacht, deß muß ich ewig klagen!
Ein blinder Wurm, sie gierig zu zernagen!
Nun ist es öde und ein Ort der Schmerzen,
Was mir so lieblich war in meinem Herzen!

Heinrich Seidel

 

 

Den Fluß hinab

Im Mittagsschein
fahr ich im Boot allein
den Fluß hinab, der mit mir sinnt und träumt.
Kein Laut im Kreis;
der Kiel gluckst schläfrig, leis;
von Linden ist das Ufer hoch umsäumt.

Der Sonne Glut
strahlt wider aus der Flut
mit Bäumen, deren Kronen abwärts stehn.
Im Fluß erhellt
sich eine Spiegelwelt,
wieviel auch Wellen kommen und vergehn.

Metallen blank,
stahlblau und zierlich schlank
fliegt die Libelle auf der Spiegelung.
So leichtbeschwingt,
von Sonnengold umringt,
flog meine Seele einst, sehnsuchtsvoll, jung.

Zu jung vielleicht,
getäuscht, enttäuscht so leicht,
genoß sie Hoffnung nur, wenn sie genoß;
verfolgte wild
ihr eignes Spiegelbild
in einer Welt, die wie ein Fluß zerfloß.

Eduard Stucken

 

 


Letzte Hoffnung

An Verwelken und Verblühen
Hab' ich längst mein Herz gewöhnt;
Mit des Lebens Leid und Mühen
Hab' ich längst mich ausgesöhnt.

Doch mein armes Herz auf Erden
Dennoch manche Hoffnung trägt –
Möge sie erfüllet werden,
Weil es sie für andre hegt!

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

 

 

 

 

 

 

Hoffnung

Es reden und träumen die Menschen viel
Von bessern künftigen Tagen,
Nach einem glücklichen goldenen Ziel
Sieht man sie rennen und jagen.
Die Welt wird alt und wird wieder jung,
Doch der Mensch hofft immer Verbesserung.

Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein,
Sie umflattert den fröhlichen Knaben,
Den Jüngling locket ihr Zauberschein,
Sie wird mit dem Greis nicht begraben,
Denn beschließt er im Grabe den müden Lauf,
Noch am Grabe pflanzt er – die Hoffnung auf.

Es ist kein leerer schmeichelnder Wahn,
Erzeugt im Gehirne des Toren,
Im Herzen kündet es laut sich an:
Zu was Besserm sind wir geboren!
Und was die innere Stimme spricht,
Das täuscht die hoffende Seele nicht.

Johann Christoph Friedrich von Schiller


Sie sind Besucher Nr.

Gratis Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!